„Kirche zum heiligen Berge Gottes“ in Klein Quenstedt

Abendandachten in Klein Quenstedt

Die im Herbst 2009 eingeführten Abendandachten in der Klein Quenstedter Kirche erfreuen zunehmender Beliebtheit. Um 19.00 Uhr lädt uns der Glockenschlag jeden ersten Montag im Monat ein. Wir wollen gemeinsam den Tag ausklingen lassen und unsere Sorgen und mit Gott teilen. Sie sind herzlich eingeladen. Wer mit dem Auto abgeholt werden melde sich bitte bei Herrn Thomas Kruse, Tel. 03941 / 27847.

Kirche Klein Quenstedt

Weithin sichtbar erhebt sich ein Turm über die Wipfel der Bäume seit der Romanik. Er gehört der „Kirche zum heiligen Berge Gottes“ in Klein Quenstedt. Vor den Toren der Domstadt Halberstadt gelegen, war dieser Ort, gemeinsam mit Sargstedt, Groß Quenstedt und Wehrstedt, der Meierei des Domkapitels zugeordnet und somit für das leibliche Wohl des Bischofs und seiner Beamten zuständig. Die Halberstädter Bischöfe spielten durch die Jahrhunderte eine wichtige Rolle. So verwundert es nicht, dass sie immer wieder in Kämpfe und Kriege verwickelt waren. Das bekam die umliegende Landbevölkerung besonders zu spüren. Als letzte Zuflucht diente dort oft nur noch die Kirche. Die massive Bauweise des Turms, der ursprünglich keinen ebenerdigen Eingang besaß, verrät das noch heute. Ein solch einschneidendes Ereignis war zur Zeit Bischof Ulrichs, die Eroberung Halber-stadts 1179 durch Heinrich dem Löwen. Er ließ auch die Archive des Domkapitels in Flammen aufgehen, so dass viele der unersetzlichen Urkunden vernichtet sind. Daher kann über die genaue Entstehungszeit der Kirche keine eindeutige Aussage getroffen werden. Folgt man den steinernen Zeugen, so sind neben dem romanischen Turm (vor 1200), der Bau des Kirchen-schiffs in der frühen Gotik (vermauerte, spitzbogige Fenster) und der östliche Teil als Erweiterung des Barock (1717/18) zu erkennen.
Der Ort taucht als „western Quenstide“ erstmals 1185 auf. Ein Pfarrer „Henricus“, vormals in Klein Quenstedt; wird 1290 erwähnt. Größere Besitzungen hatte der Templerorden, die aber 1306 verkauft wurden. Auch das Burchardi-Kloster war hier begütert.
Das Kirchenpatronat hatte 1316 das Kloster Marienberg bei Helmstedt, fiel dann aber wieder an das Domkapitel zurück. Zuletzt hatte es die Stadt Halberstadt inne.
Kirchengemeinde, wie auch der Patron haben die Kirche nach bestem Vermögen erhalten und erneuert. Die beiden seitlichen Eingänge ins Kirchenschiff wurden durch den heutigen Zugang ersetzt, der Weg ins Kirchenschiff erst mit zwei großen Bögen realisiert, später durch den heutigen Rundbogen. Als nach dem 30-jährigen Krieg die Bevölkerung wuchs, wurde die Kirche offensichtlich zu klein. Man erweiterte sie nach Osten, verlängerte die Empore und nutzte die Gelegenheit, um die wertvolle Orgel vom namhaften Orgelbauer Johann Adolarius Papenius 1741 errichten zu lassen. Auch der Altar ist in diese Zeit zu datieren (Inschrift in der Altarbrüstung: 1744). Er verzichtet fast ganz auf bildhafte Symbolik und ist mit reichem Laubwerk und gedrehten Säulen verziert. Das hölzerne Tonnengewölbe zeigte eine farbige Gestaltung, die erst im vorigen Jahrhundert übermalt wurde. Einzelne Proben wurden von Restauratoren freigelegt. Der Hohe Chor hat nach Osten einen halbachteckigen Abschluss. Inschriften zieren das dortige Fenster innen wie außen und verraten verschlüsselt durch Großbuchstaben die Baujahre 1717/18.
Umrahmt wird die Kirche von dem großzügigen und malerischen Friedhof.
Unterzieht man sich der kleinen Mühe, die Turmstufen bis in die Glockenstube hinaufzusteigen, kommt man nicht nur am großen Blasebalg der Orgel, der auch noch die originalen Pedale besitzt, wie an der aktiven mechanischen Turmuhr von 1890 vorbei, sondern kann die beiden verbliebenen Glocken bewundern. Die größere hat einen Durchmesser von 89cm, stammt laut Inschrift vom Gießer Klaus Becker aus dem Jahr 1520. Die kleinere mit 50cm Durchmesser ist als Stundenschlag-Glocke auf dem Satteldach des Turms angebracht und stammt aus der gleichen Zeit. Die dritte Glocke von 1829 hat die Weltkriege offensichtlich nicht überstanden.
Dank der schnellen Sanierung des einsturzgefährdeten Turms können Sie heute bis nach hier oben gelangen und den Blick auch über die umgebende Landschaft schweifen lassen.
Die Höhenzüge des Hakel, Huy, des Harzes mit dem Brocken und den Orten und Städten des Harzvorlandes sind bei guter Sicht leicht zu finden.

Genießen Sie auch die Ruhe und Andacht die auch diese Kirche bietet; nehmen Sie sich Zeit in unserer Kirche zum heiligen Berge Gottes.

Text & Gestaltung:
Werner Braune, Th. Kruse

Dom Halberstadtzoom
 
 
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