angedacht

Das Geschenk des Heiligen Geistes

Zu Pfingsten warteten die Jünger Jesu, dass Gott seinen Geist sendet, so wie Jesus es ihnen zu Himmelfahrt versprochen hat, den Zeitpunkt und das WIE wissen sie nicht. Sie vertrauen, dass Gott ihn auswählt. Zunächst gab ihnen der Geist die Kraft, andere Sprachen zu sprechen und zu verstehen. Sie waren gerührt, angerührt, sie erkannten Schuld und baten um Vergebung, empfingen die Taufe und lebten in einer Gemeinschaft miteinander, die gemeinsamen Besitz hatte, Gottesdienste und Abendmahl feierte und betete. So berichtet es die Bibel. Doch wie können wir – jeder von uns – Pfingsten erfahren?

Der eine oder andere hat es vielleicht schon einmal erlebt, dass er eine andere Sprache verstanden hat – die Sprache der Traurigkeit, die Sprache der Angst, die Sprache der Freude, die Sprache der Verzweiflung, obwohl einem selbst nicht so zumute war. Aber auch in der Begegnung mit anderssprachigen Menschen kann man eine gemeinsame Sprache finden, die Gräben überwindet, Brücken baut: die Sprache der Musik, die Sprache der Bilder, die Sprache der Hände und Füße und die Sprache des Herzens. Manchmal hat man Kraft, die man glaubte nicht zu haben, um einem anderen die Hand zu reichen oder um zu verzeihen. Hier können wir u.a. die Kraft des Geistes erfahren, im miteinander leben und aufeinander hören. Aber über diese Kraft Gottes können wir nicht bestimmen, sie nur erbitten, nicht kaufen, sondern nur geschenkt bekommen, aber auch nicht festhalten.
Davon erzählt Martin Buber:

„Da war eine Stadt, eine kleine Stadt und über dieser kleinen Stadt kreiste schon tagelang ein großer bunter Vogel. In langen Kreisen ließ er sich herunter und landete im höchsten Baum oben im Gipfel. Er war nicht schwarz, er war nicht blau, er war nicht rot, er war nicht gelb, er war nicht weiß. Er war schwarz und blau und rot und gelb und weiß und noch mehr Farben hatte der bunte Vogel und die Bewohner der Stadt überlegten, wie man diesen Vogel herunterholen könne, dass er für immer in ihrer Stadt bliebe. Es war nämlich ein ganz besonderer Vogel – ein Vogel aus dem Paradies.

Und die alten Menschen erzählten, wenn ein solcher Vogel eines Tages im Gipfel eines Baumes lande, dann sei das Paradies nahe. Sie fingen also an – der stärkste Mann der Stadt stellte sich unten an den Baum und dann wuchs der Turm aus Menschen langsam - einer hielt den anderen, einer kletterte auf die Schultern des anderen und bald war man bis hoch oben gekommen. Zum Greifen nah war der letzte des lebenden Turmes. Da plötzlich verlor der erste, der Stärkste die Geduld und sprang weg und der Turm brach zusammen und der große schöne Vogel flog weg und mit ihm das Paradies. Der große bunte Vogel ist der heilige Geist. Er ist da, wo einer den anderen trägt. Er lässt sich nicht einsperren in reale Käfige, aber auch nicht in Käfige der Worte. Er ist frei.“
(nach willms: roter faden glück)


Ich wünsche Ihnen diesen kraftschenkenden, lebensfrohen und freien Geist Gottes besonders in der Zeit der Kraftlosigkeit, der Angst und der Traurigkeit. Ich wünsche Ihnen den langem Atem und die Geduld, um auszuhalten und zu warten, das Zusammenhalten, das Sich-einfühlen-können, um in einer lebendigen Gemeinschaft zu leben und Kraft, um Freude zu teilen und Frieden zu halten, einander Gutes zu tun -
ich wünsche Ihnen den Geist Gottes.

                                                                                        Bleiben Sie behütet, Ihre Kerstin Schenk, Pfarrerin.

Monatsspruch Juni 2016

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.

Ex 15,2

Jahreslosung 2016

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